Schwarze Schafe in der Umzugsbranche: So erkennen Sie unseriöse Firmen
Die allermeisten Umzugsfirmen arbeiten ordentlich. Ein paar leben davon, dass Kunden am Umzugstag keine Wahl mehr haben. Die Masche ist fast immer dieselbe, und man erkennt sie früh.

Wir erzählen das nicht gern, weil es unsere ganze Branche in ein schlechtes Licht rückt. Aber fast jeden Monat ruft uns jemand an, der gerade eine schlechte Erfahrung gemacht hat. Und fast immer lief es nach demselben Muster ab.
So läuft die Masche ab
Am Anfang steht ein Angebot, das zu gut klingt, um wahr zu sein. Eine Dreizimmerwohnung für 499 Euro, „alles inklusive“, gebucht über ein Onlineformular, ohne Besichtigung. Die Firma ist freundlich, schnell und billiger als alle anderen.
Am Umzugstag kommen drei Leute mit einem gemieteten Transporter. Sie laden ein, zügig und ohne viele Fragen. Wenn alles im Fahrzeug ist, kommt der Satz: „Das ist deutlich mehr als angegeben. Das kostet jetzt 1.400 Euro. Bar.“ Wer nicht zahlt, bekommt seine Möbel nicht. Viele zahlen, weil sie in diesem Moment keine Alternative sehen. Die Kinder müssen ins Bett, der Schlüssel der alten Wohnung ist abgegeben.
Eine Variante: Statt eines Pauschalpreises gibt es einen günstigen Stundensatz, und der Tag zieht sich auf wundersame Weise in die Länge. Pausen werden mitgezählt, die Anfahrt dauert plötzlich zwei Stunden, und am Ende stehen zwölf Stunden auf dem Zettel.
Zwölf Warnzeichen vor der Buchung
Kein Zeichen allein ist ein Beweis. Kommen mehrere zusammen, sollten Sie die Finger davon lassen.
- Ein Preis deutlich unter allen anderen Angeboten, ohne nachvollziehbare Begründung
- Keine Besichtigung, weder vor Ort noch per Video, und kaum Rückfragen zum Umzugsgut
- Keine Angabe der Menge in Kubikmetern im Angebot
- Kein schriftliches Angebot oder nur eine kurze Nachricht per Messenger
- Vorkasse für den gesamten Betrag oder eine hohe „Reservierungsgebühr“
- Nur Barzahlung möglich, keine Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer
- Kein vollständiges Impressum, keine Anschrift mit Hausnummer, nur eine Handynummer
- Eine Adresse, an der laut Kartendienst ein Bürodienstleister oder ein Wohnhaus sitzt
- Viele sehr ähnliche Fünf-Sterne-Bewertungen in kurzer Zeit, danach Stille
- Ein Firmenname, der sich in Bewertungsportalen und Anzeigen ständig ändert
- Druck: „Der Preis gilt nur, wenn Sie heute buchen.“
- Keine klare Aussage zur Haftung und Versicherung
Die Rolle von Vermittlungsportalen
Nicht jedes Portal ist unseriös. Wichtig ist zu verstehen, wie es funktioniert: Sie geben Ihre Daten einmal ein, und mehrere Firmen bekommen Ihren Kontakt. Manche dieser Firmen geben den Auftrag weiter an einen Subunternehmer, der ihn noch einmal weitergibt. Am Ende steht vor Ihrer Tür jemand, mit dem Sie nie gesprochen haben. Fragen Sie deshalb immer, wer am Umzugstag tatsächlich kommt.
Schwarzarbeit: das stille Risiko
Ein sehr günstiger Preis ist oft nur möglich, weil die Helfer nicht angemeldet sind. Das ist nicht nur ein Problem für die Sozialkassen. Verletzt sich ein nicht angemeldeter Helfer in Ihrem Treppenhaus, kann es kompliziert werden. Und für Schäden an Ihren Möbeln haftet niemand, der nicht greifbar ist.
Das Umzugsgewerbe gehört übrigens zu den Branchen, in denen Mitarbeiter ihren Ausweis bei der Arbeit dabeihaben müssen und vom ersten Tag an bei der Sozialversicherung gemeldet sein müssen. Eine seriöse Firma hat damit kein Problem.
Was tun, wenn es passiert?
Wenn am Umzugstag plötzlich ein Vielfaches verlangt wird und Ihr Hausrat als Druckmittel dient:
- Ruhig bleiben und nichts unterschreiben, vor allem keine neuen Vereinbarungen oder leeren Formulare.
- Die Polizei rufen, 110. Hausrat zurückzuhalten, um einen nicht vereinbarten Preis zu erzwingen, kann eine Straftat sein. Die Polizei kommt in solchen Fällen und hilft.
- Alles dokumentieren: Kennzeichen, Namen, Fotos, das ursprüngliche Angebot und die Nachrichten.
- Wenn Sie doch zahlen, dann nur gegen Quittung und mit dem Vermerk „unter Vorbehalt“. Den zu viel gezahlten Betrag können Sie später zurückfordern.
- Beratung holen, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
Wie es seriös aussieht
Damit dieser Beitrag nicht nur Warnungen enthält: Eine ordentliche Umzugsfirma erkennen Sie daran, dass sie sich Ihren Umzug vorher anschaut, einen schriftlichen Festpreis mit allen Leistungen nennt, keine Vorkasse verlangt, eine echte Adresse mit eigenen Fahrzeugen hat und Ihnen auch sagt, was Sie nicht brauchen. Wie Sie Angebote im Detail vergleichen, steht im Beitrag Umzugsangebote richtig vergleichen.
Bei uns finden Sie übrigens alles, was wir oben aufgezählt haben, hier auf der Website: Anschrift, Erreichbarkeit, Preissätze und die Leute, die am Ende auch tragen. Wenn Sie wollen, kommen Sie vorher auf unserem Hof in der Wittelsbachstraße vorbei.
Geschrieben vom Team von Hager Umzüge in Ludwigshafen-Süd. Wir planen und fahren seit 2003 Umzüge in der Vorderpfalz und schreiben hier auf, was wir dabei lernen.



